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Was ist Zirbenschnaps? Der Tiroler Klassiker

Warenkunde & Tiroler Tradition

Ein Duft wie Bergwald im Glas, eine rubinrote Farbe und eine Geschichte, die so alt ist wie die Alpenhütten selbst. So schmeckt Zirbenschnaps, der stille Star jeder Tiroler Hausbar. Wir zeigen dir, was wirklich drinsteckt, wie du ihn ganz einfach selbst ansetzt und wie er am besten schmeckt.

Glas mit rubinrotem Zirbenschnaps neben frischen Zirbenzapfen auf einem Holztisch
Der Duft der Berge im Glas

Zirbenschnaps ist ein hochprozentiger Ansatzschnaps aus den jungen, grünen Zapfen der Zirbe, jener knorrigen Kiefer, die in den Höhenlagen der Alpen wächst und dort seit Jahrhunderten als "Baum der Alpen" verehrt wird. Man setzt die frischen Zapfen in hochprozentigem Alkohol wie Korn oder Wodka an, lässt sie mehrere Wochen ziehen und erhält am Ende einen Schnaps mit intensivem Harzaroma, leichter Vanillenote und einer satten rubinroten bis bernsteinfarbenen Farbe.

In Tirol, Salzburg und Kärnten gehört ein Glaserl Zirbenschnaps zur Jausenkultur wie der Speck zum Brot. Traditionell wird er nach einem deftigen Essen als Verdauungsschnaps gereicht, oft in Berghütten selbst angesetzt und von Generation zu Generation weitergegeben. Das Besondere daran: Du brauchst kein Braurecht und keine Destille. Ansetzen ist reine Geduldsarbeit, keine Handwerkskunst.

Gut zu wissen: Nicht jede Kiefer ist eine Zirbe. Die Zirbe (Pinus cembra) wächst erst oberhalb von 1.500 Metern und ist an ihren fünf Nadeln pro Büschel erkennbar, gewöhnliche Kiefern haben nur zwei. Frische Zapfen bekommst du am ehesten direkt vom Bergbauern oder im gut sortierten Kräuterhandel deines Vertrauens.

Die Zirbe: Königin der Alpen

Die Zirbe wächst extrem langsam, manche Bäume in den Tiroler Bergen sind über 500 Jahre alt. Genau diese Langsamkeit steckt in ihrem Harz: konzentriert, würzig, mit Noten von Vanille, Honig und frischem Bergwald. Für den Schnaps zählen ausschließlich die jungen, noch grünen Zapfen, die rund um den Johannistag Ende Juni geerntet werden, bevor sie verholzen.

Frisch geerntete grüne Zirbenzapfen in einer Holzschale
  • Erntezeit: Ende Juni bis Ende Juli, solange die Zapfen noch weich und grün sind und sich leicht mit dem Fingernagel eindrücken lassen.
  • Menge: 4 bis 6 Zapfen reichen für 1 Liter Alkohol, mehr macht den Schnaps nicht besser, nur bitterer.
  • Verarbeitung: Zapfen grob vierteln oder anschneiden, so geben sie ihr Harz schneller ab.
  • Kein Zugang zu frischen Zapfen? Fertige Alpenkräuter und Zirbenprodukte findest du bequem im Sortiment, ganz ohne Bergwanderung.
Selbst angesetzt: dein Weg zum eigenen Zirbenschnaps

Das Grundrezept ist seit Generationen fast unverändert und kommt mit nur drei Zutaten aus: Zirbenzapfen, hochprozentiger Alkohol und ein wenig Süße. Der Rest ist Geduld. So gelingt dein Zirbenschnaps garantiert:

1
Zapfen vorbereiten. 4 bis 6 frische, grüne Zirbenzapfen vierteln oder grob anschneiden und in ein sauberes Einmachglas mit Schraubverschluss geben.
2
Mit Alkohol aufgießen. 1 Liter hochprozentigen Korn oder Wodka (mindestens 38 % Vol.) darübergießen, bis die Zapfen komplett bedeckt sind.
3
Süße hinzufügen. 50 bis 80 g Kandis oder Kristallzucker einrühren. Wer es milder mag, ersetzt einen Teil davon durch einen Löffel Honig.
4
Ziehen lassen. Glas fest verschließen und an einem dunklen, kühlen Ort 4 bis 6 Wochen ziehen lassen. Alle paar Tage sanft schwenken, damit sich das Harz gleichmäßig löst.
5
Abseihen und abfüllen. Durch ein feines Sieb oder Kaffeefilter in saubere Flaschen abseihen. Die Zapfen sind danach ausgezogen und können entsorgt werden.
Einmachglas mit angeschnittenen Zirbenzapfen, die in klarem Alkohol und Kandiszucker ziehen
Zwischen Geduld und Genuss: die Reifezeit

Nach 4 bis 6 Wochen ist dein Zirbenschnaps trinkfertig, aber wie bei gutem Käse gilt auch hier: je länger die Ruhe, desto runder das Ergebnis. Nach dem Abseihen darf die Flasche gerne noch weitere 2 bis 3 Monate an einem dunklen Ort nachreifen. Die anfänglich sehr harzige, fast bittere Schärfe wird dabei sanfter, die Vanille und Honignoten treten stärker hervor.

Am besten hält sich Zirbenschnaps in dunklen Glasflaschen mit dichtem Verschluss, fern von direkter Sonne und Heizungswärme. Richtig gelagert bleibt er mehrere Jahre genießbar, der Alkoholgehalt wirkt dabei wie ein natürlicher Konservierungsstoff. Ein Trick von Tiroler Hausbrennern: Fülle den fertigen Schnaps in kleinere Flaschen ab. Einmal geöffnet, verliert er durch Luftkontakt langsam an Aroma.

„Guter Zirbenschnaps braucht keine Eile. Er braucht einen dunklen Schrank und ein bisschen Vertrauen.“

Schnaps oder Likör? Zwei Seelen, ein Zapfen

Wer online nach Zirbenschnaps sucht, stößt schnell auch auf Zirbenlikör. Beide stammen vom selben Zapfen, unterscheiden sich aber deutlich im Charakter.

Zirbenschnaps

Klar, kraftvoll, mit wenig bis moderater Süße. Alkoholgehalt meist zwischen 35 und 45 % Vol. Wird pur bei Zimmertemperatur als Verdauungsschnaps genossen, ideal nach einer deftigen Jause.

Zirbenlikör

Deutlich süßer, oft mit Sahne oder zusätzlichem Sirup verfeinert, dadurch milder im Antrunk. Alkoholgehalt liegt meist niedriger, zwischen 20 und 30 % Vol. Passt gut als Digestif oder über Vanilleeis.

Wer keine Zeit oder frischen Zapfen zum Selberansetzen hat, findet fertige alpine Kräuterspirituosen und Liköre bequem im Sortiment, darunter auch österreichische Manufakturen.