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Naturschnitzel Rezept: Zartes Schnitzel im Natursaft

Österreichische Wirtshausküche
Saftiges österreichisches Naturschnitzel in glänzender Natursauce auf einem Holztisch angerichtet

Wenn in einem traditionsreichen österreichischen Gasthaus der Duft von brutzelndem Butterschmalz, feinen Röstzwiebeln und kräftigem Bratensaft durch die Stube zieht, steht meist ein ganz bestimmtes Gericht auf dem Herd: das Naturschnitzel im Saft. Im Gegensatz zu seinem berühmten panierten Bruder kommt dieser Wirtshausklassiker ganz ohne Bröselkleid aus. Hier stehen pure Fleischqualität, zarte Textur und ein aromatischer, goldbrauner Natursaft im Mittelpunkt. Ob aus edlem Kalbfleisch oder bestem heimischem Schwein zubereitet: Mit ein paar einfachen Kniffen gelingt dir dieses Seelengericht daheim so butterweich, dass du das Fleisch fast mit der Gabel zerteilen kannst.

Das Fundament: Kalb oder Schwein für vollendeten Geschmack

Ein Naturschnitzel lebt von der Reinheit seiner Zutaten, denn kein Panierpanzer verdeckt eventuelle Schwächen im Schnitt. Wer auf beste Fleischherkunft und das richtige Teilstück achtet, legt bereits vor dem Anschalten der Herdplatte den Grundstein für saftiges Gelingen.

Frisches Schnitzelfleisch wird auf dem Schneidebrett vorbereitet und bemehlt

Welches Fleisch passt am besten?

In der gehobenen Wiener Küche ist das Kalbsschnitzel der unangefochtene Favorit. Teilstücke aus der Kategorie Kalbfleisch wie Nuss, Schale oder das weiße Scherzl sind besonders zartfaserig, mild im Aroma und schmelzen bei richtiger Zubereitung förmlich auf der Zunge.

Für das herzhafte, deftige Wirtshausfeeling greift man in Österreich traditionell zu frischem Schweinefleisch aus artgerechter Tierhaltung. Schnitzel aus der Schweineschale oder dem Kaiserteil behalten beim kurzen Dünsten im Saftl ihren saftigen Biss und bringen von Natur aus eine feine Fleischwürze mit. Wichtig ist bei beiden Varianten: Das Fleisch sollte gleichmäßig dick geschnitten sein und vor dem Braten Raumtemperatur annehmen dürfen.

Das Küchengeheimnis: Sanft plattieren und einseitig mehlieren

Warum wird ein Naturschnitzel beim Wirt so wunderbar zart, während es daheim manchmal zäh oder trocken gerät? Das Geheimnis liegt in zwei entscheidenden Vorbereitungsschritten, die kaum Zeit kosten, aber den gesamten Unterschied auf dem Teller ausmachen.

1

Sanftes Plattieren

Fleischscheiben niemals mit der gezackten Seite des Klopfers traktieren. Lege Frischhaltefolie über das Fleisch und plattiere es vorsichtig mit einem schweren Plattiereisen oder einem Topfboden auf etwa 5 bis 6 Millimeter.

2

Rand einschneiden

Schneide die Sehnen am Fleischrand mit einem scharfen Messer zwei- bis dreimal ca. einen halben Zentimeter ein. Dadurch wölbt sich das Schnitzel beim Anbraten nicht auf und behält vollen Kontakt zum heißen Pfannenboden.

3

Einseitig Mehlieren

Würze beide Seiten mit Salz und frisch gemahlenem Pfeffer. Drücke dann nur eine einzige Seite sanft in glattes Weizenmehl und klopfe Überschuss ab. Diese Mehlschicht schützt das Fleisch und bindet den Bratensatz magisch ab.

In der Pfanne: Scharfes Anbraten in nussigem Schmalz

Für das authentische Aroma gibt es in der österreichischen Küche keine Kompromisse: Gebraten wird in Butterschmalz oder Ghee. Es verträgt hohe Hitze ohne zu verbrennen und verleiht der Fleischkruste jene charakteristische, feine Butternote.

Die goldene Hitze-Regel

Erhitze reichlich Butterschmalz in einer schweren Eisen- oder Edelstahlpfanne. Lege die Schnitzel mit der bemehlten Seite zuerst in das zischende Fett. Jetzt heißt es: Ruhe bewahren! Bei kräftiger Hitze benötigt das Schnitzel ca. 1,5 bis 2 Minuten, bis die Unterseite eine schöne goldbraune Röstfarbe annimmt.

Wende das Fleisch und brate die zweite Seite ebenfalls für maximal 1 Minute an. Nimm die Schnitzel sofort heraus und lagere sie auf einem warmen Teller zwischen. Sie müssen keineswegs durchgegart sein, denn ihr großes Finale erleben sie gleich beim behutsamen Nachdünsten im Saft.

Wichtig: Die Pfanne niemals überfüllen! Brate bei vier Portionen lieber in zwei Durchgängen. Sonst fällt die Temperatur ab, Fleischsaft tritt unkontrolliert aus und das Fleisch kocht statt zu braten.

Schnitzel werden in heißem Butterschmalz in der Pfanne goldbraun angebraten

Das legendäre Natursaftl: Deglacieren, Reduzieren, Montieren

Der Clou eines jeden Wirtshaus-Naturschnitzels ist seine Sauce. Sie entsteht direkt aus den köstlichen Bratrückständen am Pfannenboden, abgerundet mit der Säure eines guten Weißweins und der Tiefe einer echten Rindssuppe.

Ablöschen des Bratensatzes mit Weißwein und Rindssuppe in der Pfanne

Schritt für Schritt zum perfekten Saftl:

1. Zwiebelröstung & Senf: Gib bei Bedarf einen weiteren Löffel Butterschmalz in die Pfanne. Röste eine fein gehackte Zwiebel darin langsam goldgelb an. Rühre einen Teelöffel Estragon- oder Kremser Senf unter und lass ihn kurz mitschmoren, das bringt herrliche Würze.

2. Deglacieren mit Weißwein: Lösche den Bratensatz mit einem kräftigen Schluck trockenem österreichischem Weißwein (bevorzugt Grüner Veltliner) ab. Kratze die aromatischen Röstaromen mit einem Holzspatel sorgfältig vom Boden los und lass den Wein um zwei Drittel einkochen.

3. Aufgießen & Schmoren: Gieße etwa 250 ml heiße Rindssuppe an. Lege die vorgebratenen Schnitzel samt ausgetretenem Fleischsaft zurück in die Pfanne. Deckel darauf setzen und bei kleinster Hitze ca. 8 bis 12 Minuten sanft ziehen lassen.

4. Das Montieren: Nimm die Schnitzel heraus. Schalte die Hitze ab und rühre ein bis zwei Stückchen eiskalte Butter schwungvoll in die leicht köchelnde Sauce. Die Butter emulgiert das Saftl zu einer sämigen, samtig glänzenden Sauce.

Klassische Beilagen: Vom Butterschlagreis bis zu den Salzerdäpfeln

Ein echtes Naturschnitzel braucht eine Beilage, die den feinen Saft gierig aufsaugt. In Österreichs Gaststuben gibt es dafür zwei unumstößliche Begleiter, die das Gericht erst komplettieren.

Butterreis & Risi-Bisi

Ein zarter, lockerer Langkorn- oder Basmatireis aus der Kategorie Reis, gedünstet in etwas Butter und verfeinert mit jungen grünen Erbsen, ist der wohl beliebteste Begleiter zum Naturschnitzel. Die Reiskörner binden das Natursaftl perfekt ab.

Petersilerdäpfel & Bohnschoten

Festkochende österreichische Erdäpfel, in Salzwasser gegart, geschält und anschließend in schäumender Butter mit frischer Petersilie geschwenkt. Wer möchte, reicht dazu knackig blanchierte Fisolen (Bohnschoten), die dem Teller Frische und Farbe verleihen.

Fertig serviertes Naturschnitzel mit Butterschlagreis und Petersilerdäpfeln